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Alte braune Apothekenflasche, Weizen- und Gerstenähren auf Pergament, dunkler Holztisch

Wie hat man früher gewusst, dass man schwanger ist?

Ein Teststreifen und zwei Minuten Warten, so einfach ist es heute. Aber wie hat man früher gewusst, dass man schwanger ist, als es weder Apotheke noch Labor gab? Von körperlichen Zeichen über Urinproben bis zu skurrilen Tiertests war der Weg zur Gewissheit lang. Wir machen eine kleine Zeitreise.

Woran erkannten Frauen früher eine Schwangerschaft ganz ohne Test?

Über Jahrhunderte zählten allein die körperlichen Zeichen. Die ausbleibende Regel war das erste, dann kamen praller werdende Brüste, Übelkeit und Müdigkeit dazu.

Wirkliche Sicherheit gab es aber erst spät, nämlich mit den ersten spürbaren Kindsbewegungen etwa ab der Mitte der Schwangerschaft. Bis dahin blieb vieles Vermutung, und manche Frau wusste monatelang nicht mit Gewissheit, ob sie ein Kind erwartete.

Wie funktionierte der Getreidetest im alten Ägypten?

Der bekannteste frühe Test stammt aus dem alten Ägypten. Auf einem Papyrus, datiert auf etwa 1350 v. Chr., wird beschrieben, dass eine Frau über mehrere Tage auf Beutel mit Gerste und Weizen urinieren sollte. Keimte das Getreide, galt sie als schwanger.

Das Verblüffende: Ganz falsch lag die Methode nicht. Moderne Forschung führt eine gewisse Trefferquote auf die erhöhten Hormonwerte im Urin Schwangerer zurück, die das Wachstum anregen können. Die zusätzliche Behauptung des Papyrus, aus dem Getreide auch das Geschlecht abzulesen, hielt einer späteren Prüfung allerdings nicht stand.

Was hatte es mit der Harnschau im Mittelalter auf sich?

Im Mittelalter war die Harnschau das wichtigste Diagnosemittel. Sogenannte Harnschauer beurteilten Farbe, Trübung und Geruch des Urins, manche kosteten sogar davon. Aus diesen Merkmalen wollten sie eine Schwangerschaft ablesen.

Verlässlich war das nicht, und schon damals gab es Kritik. Unseriöse Vertreter dieser Zunft wurden von Spöttern wenig schmeichelhaft als „Brunzdoktoren" abgetan. Trotzdem hielt sich die Urinschau erstaunlich lange.

Wie kam die Wissenschaft dem Schwangerschaftshormon auf die Spur?

Die Wende brachte der Nachweis des Hormons hCG. In den späten 1920er-Jahren entwickelten der Chemiker Selmar Aschheim und der Gynäkologe Bernhard Zondek einen Test, veröffentlicht im Jahr 1928: Urin einer Frau wurde jungen Mäusen gespritzt, deren Eierstöcke man anschließend untersuchte. Eine Reaktion zeigte die Schwangerschaft an.

Etwa zeitgleich entdeckte der Zoologe Lancelot Hogben den Froschtest mit dem Krallenfrosch. Nach einer Spritze mit hormonhaltigem Urin legte das Weibchen innerhalb weniger Stunden Eier. Ab Mitte der 1930er-Jahre wurde dieser Test zum Standard, weil er schneller war und das Tier nicht getötet werden musste.

Wann gab es den ersten Test für zu Hause?

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts liefen Schwangerschaftstests über Arzt und Labor. Der erste Test für zu Hause kam Anfang der 1970er-Jahre. Der von der Grafikerin Margaret Crane gestaltete „Predictor" erhielt im Jahr 1971 ein Patent.

Die Frau gab Urin in ein Röhrchen, mischte eine Lösung dazu und las das Ergebnis nach etwa zwei Stunden ab, statt tagelang auf ein Laborergebnis zu warten. Ab dem Jahr 1977 war er in den USA erhältlich. Mehr zur Geschichte dieser Tests beschreibt das Smithsonian Magazine.

Was bedeutet das für dich heute?

Verglichen mit Getreidebeuteln und Fröschen hast du es unfassbar leicht. Ein Test aus der Drogerie weist dasselbe Hormon nach, das schon der Aschheim-Zondek-Test gesucht hat, nur in Minuten statt Tagen.

Trotzdem gilt auch heute: Der Test zeigt das Ob, deine Frauenärztin klärt das Wie weiter. Die Frühzeichen, auf die Frauen früher angewiesen waren, sind für sich genommen so unzuverlässig wie eh und je.

Dein nächster Schritt

Wenn du vermutest, schwanger zu sein, greif zum modernen Test und sichere das Ergebnis bei deiner Frauenärztin ab. Die frühen Anzeichen darfst du ernst nehmen, aber nicht überbewerten.

Welche dieser Anzeichen wirklich etwas verraten, liest du in Wie kannst du ohne Test herausfinden, ob du schwanger bist?

Dieser Beitrag gibt allgemeine und historische Informationen wieder und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Für eine sichere Antwort wende dich an deine Hebamme oder deine Frauenärztin.

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