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Wie hoch ist die Chance, beim ersten Mal schwanger zu werden?

Wie hoch ist die Chance, beim ersten Mal schwanger zu werden?

„Beim ersten Mal wird man doch nicht gleich schwanger." Diesen Satz hat fast jede von uns gehört, und er stimmt so nicht. Wie hoch die Chance ist, beim ersten Mal schwanger zu werden, hängt fast nur am Zeitpunkt im Zyklus. Wir schauen uns die Zahlen an und was sie für dich bedeuten.

Was ist mit „beim ersten Mal" überhaupt gemeint?

Die Frage hat zwei Bedeutungen, und die Antworten unterscheiden sich deutlich.

Gemeint sein kann der erste Geschlechtsverkehr überhaupt. Oder der erste Zyklus, in dem ein Paar bewusst versucht, schwanger zu werden. Beides schauen wir uns an, weil beide Gruppen dieselbe Frage googeln.

Wie hoch ist die Chance, beim ersten Mal ohne Verhütung schwanger zu werden?

Entscheidend ist der Zeitpunkt im Zyklus. Das fruchtbare Fenster umfasst rund sechs Tage: die fünf Tage vor dem Eisprung und den Eisprungtag selbst. Diesen Zeitraum hat die Arbeitsgruppe um Allen Wilcox im New England Journal of Medicine an 221 Frauen untersucht (Wilcox et al., 1995).

Innerhalb dieses Fensters schwankt die Wahrscheinlichkeit pro einzelnem Mal erheblich:

  • Am ersten fruchtbaren Tag, also fünf Tage vor dem Eisprung, liegt sie bei etwa 7 %
  • Am Tag vor dem Eisprung erreicht sie ihren Höchstwert bei rund 25 bis 30 %
  • Am Tag nach dem Eisprung geht sie gegen null, weil die Eizelle nur etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig bleibt

Als Faustregel für einen einzelnen Akt an den fruchtbaren Tagen nennen Kinderwunschzentren und die BARMER 20 bis 30 %. Außerhalb dieses Fensters ist eine Schwangerschaft dagegen sehr unwahrscheinlich.

Der Haken an dieser Rechnung: Kaum eine Frau weiß im Moment selbst, wo genau sie im Zyklus steht. Spermien überleben bis zu fünf Tage im Körper, und Eisprünge verschieben sich durch Stress, Krankheit oder Reisen. Genau deshalb ist „einmal ohne Verhütung" nie eine sichere Sache.

Wie viele Frauen werden im ersten Zyklus schwanger?

Hier gibt es eine schöne deutsche Studie. Christian Gnoth und Kolleginnen haben 340 Paare mit Kinderwunsch begleitet, die ihre fruchtbaren Tage bewusst bestimmt haben. Die Ergebnisse in Human Reproduction (Gnoth et al., 2003) lesen sich so:

  • Nach einem Zyklus: 38 % schwanger
  • Nach drei Zyklen: 68 %
  • Nach sechs Zyklen: 81 %
  • Nach zwölf Zyklen: 92 %

Diese Zahlen liegen höher als die oft genannten 20 bis 30 %, weil die Paare den Eisprung gezielt bestimmt haben. Ohne Zyklusbeobachtung landet man realistisch bei rund 20 bis 30 % pro Zyklus.

Übersetzt heißt das: Ungefähr jede dritte Frau, die es bewusst versucht und gut timt, ist nach dem ersten Zyklus schwanger. Zwei von drei sind es nicht, und auch das ist völlig normal.

Wie stark hängt die Chance vom Alter ab?

Deutlich, und die Zahlen fallen früher als viele denken. Frauenärzte im Netz nennt für einen einzelnen Geschlechtsverkehr am Eisprung eine Chance von rund 25 % mit 25 Jahren und etwa 15 % mit 35 Jahren. Pro Zyklus liegen Frauen zwischen 18 und 30 Jahren bei ungefähr 20 bis 30 %, ab 40 sinkt der Wert auf wenige Prozent.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte über viele Frauen hinweg. Sie sagen nichts über dich persönlich aus, und sie sind kein Grund für Panik, wenn du über 35 bist. Sie erklären nur, warum es bei manchen sofort klappt und bei anderen ein Jahr dauert, ohne dass irgendetwas nicht stimmt.

Kann man beim allerersten Mal schwanger werden?

Ja. Der Körper interessiert sich nicht dafür, wie viel Erfahrung jemand hat. Wenn ein Eisprung stattgefunden hat oder kurz bevorsteht und Sperma in die Scheide gelangt, kann eine Schwangerschaft entstehen.

Der Mythos hält sich trotzdem hartnäckig und hat schon viele ungeplante Schwangerschaften begleitet. Auch der Rückzieher vor dem Samenerguss schützt nicht verlässlich, weil bereits im Lusttropfen Spermien enthalten sein können.

Falls du in dieser Situation steckst und noch keine drei bis fünf Tage vergangen sind: Die Pille danach ist rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich, und je früher du sie nimmst, desto besser wirkt sie.

Was erhöht deine Chancen, wenn du es gerade versuchst?

Das Wichtigste ist der Zeitpunkt. Alles andere folgt danach.

  • Fruchtbare Tage kennen. Zykluslänge notieren, Zervixschleim beobachten, Basaltemperatur messen oder Ovulationstests nutzen. Alle vier Wege funktionieren.
  • Alle zwei bis drei Tage Sex rund um das fruchtbare Fenster. Das reicht völlig und nimmt Druck raus.
  • Folsäure schon vorher. Empfohlen sind 400 µg täglich ab vier Wochen vor der Schwangerschaft.
  • Rauchen und Alkohol reduzieren, bei beiden Partnern.

Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Der Moment, in dem aus Vorfreude eine Leistungsprüfung wird, macht alles schwerer. Wenn das Thermometer morgens Stress auslöst statt Neugier, darfst du einen Zyklus lang alles weglassen. Wie lange es bei dir dauern darf und wann eine Abklärung sinnvoll wird, besprichst du am besten mit deiner Frauenärztin. Als Richtwert gilt: nach zwölf Monaten ohne Erfolg, ab 35 Jahren schon nach sechs.

Was, wenn es sofort geklappt hat?

Dann kommt der Moment, in dem sich Freude und Schreck manchmal die Klinke in die Hand geben. Auch das ist normal, gerade wenn es schneller ging als gedacht.

Dann stehen die ersten Schritte nach dem positiven Test an. Und falls du noch gar nicht sicher bist, helfen dir die frühen Anzeichen einer Schwangerschaft beim Einordnen.

Dein nächster Schritt

Wenn du gerade übst: Notier dir drei Zyklen lang die Länge und beobachte deinen Zervixschleim. Damit findest du dein fruchtbares Fenster genauer als mit jeder App-Prognose, die nur rechnet.

Wenn du gerade wartest: Ein Test lohnt sich ab dem Tag der ausbleibenden Periode, am besten mit dem ersten Morgenurin.

Und wenn es diesen Zyklus nicht geklappt hat: Zwei von drei Frauen geht es genauso. Das ist Statistik, kein Urteil über deinen Körper. 🙂

Dieser Beitrag gibt persönliche Erfahrungen und allgemeine Informationen wieder und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Was für dich passt, entscheidest du zusammen mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin. Bei Beschwerden oder Zweifeln frag dort nach, auch wenn es sich nach einer Kleinigkeit anfühlt.

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