Zwei Striche, und dein Kopf macht erstmal gar nichts. Oder alles gleichzeitig. Beides normal, beides erlaubt. Wenn sich der erste Wirbel gelegt hat, kommt die Frage: Ich bin schwanger, was soll ich als Erstes tun? Hier kommt die Reihenfolge, die sich bewährt hat, sortiert nach heute, dieser Woche und den nächsten Wochen.
Was tust du direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest?
Erstmal nichts. Das ist keine Ausrede, das ist der erste Schritt. Setz dich hin, atme, und lass den Moment kurz da sein, bevor du ihn in eine To-do-Liste verwandelst.
Viele Frauen erzählen, dass sie den Test minutenlang angestarrt haben. Andere haben sofort geheult, wieder andere waren einfach nur erschrocken und haben sich dafür schuldig gefühlt. Es gibt keine richtige Reaktion auf diesen Moment, und die Gefühle dürfen sich in den nächsten Tagen ruhig noch drei Mal drehen.
Mein Tipp aus eigener Erfahrung: Schreib dir auf, wie du dich in dieser Minute fühlst, bevor der Alltag alles überschreibt. Das ist der Eintrag, den du später am liebsten liest.
Womit solltest du noch am selben Tag anfangen?
Mit Folsäure. Das ist die einzige Sache, die keinen Aufschub verträgt, weil sich das Neuralrohr deines Babys schon in den ersten Wochen schließt.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 400 µg Folsäure täglich, mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Wenn du erst mit dem positiven Test einsteigst, rät das Netzwerk Gesund ins Leben zu einem Präparat mit 800 µg pro Tag, um den Rückstand aufzuholen. Dazu kommen 100 bis 150 µg Jodid täglich für die Schilddrüse deines Babys.
Ich hatte damals abends noch ein Kombipräparat aus der Drogerie geholt und beim ersten Termin nachgefragt, ob es passt. Welche Dosis für dich richtig ist, entscheidest du bitte mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin, besonders bei Vorerkrankungen oder wenn du schon andere Präparate nimmst.
Wann rufst du in der gynäkologischen Praxis an?
Am besten gleich am nächsten Werktag, auch wenn der Termin selbst erst später stattfindet. Sinnvoll ist die sechste bis achte Schwangerschaftswoche, weil dann im Ultraschall meist eine Herzaktion zu sehen ist. Vorher gehst du oft mit demselben Fragezeichen wieder nach Hause, mit dem du gekommen bist.
Sag am Telefon direkt, dass dein Test positiv ist, viele Praxen halten für Erstvorstellungen eigene Termine frei. Warum du nach dem positiven Test nicht sofort in die Praxis musst, liegt am Ultraschall, und beim ersten Frauenarzttermin erwarten dich dann Anamnese, Blutabnahme und Mutterpass.
Warum solltest du dich so früh um eine Hebamme kümmern?
Weil Hebammen in vielen Regionen schneller ausgebucht sind als jeder Praxistermin. Empfohlen wird die Suche rund um die achte Schwangerschaftswoche, in Ballungsräumen eher noch früher.
Das fühlt sich absurd früh an, wenn du gerade erst zwei Striche gesehen hast. Trotzdem: Ruf an, schreib E-Mails, frag im Bekanntenkreis. Eine Hebamme begleitet dich in der Schwangerschaft, im Wochenbett und danach, und sie ist die Person, die du bei kleinen Fragen anrufst, ohne einen Termin zu brauchen.
Was änderst du sofort in deinem Alltag?
Drei Dinge, die ab heute gelten:
- Alkohol weglassen. Für Alkohol gibt es in der Schwangerschaft keine Menge, die als sicher gilt.
- Rauchen stoppen. Jede Zigarette weniger hilft, ein kompletter Stopp hilft am meisten. Falls das allein nicht klappt, sprich es beim Termin an, dafür gibt es Unterstützung ohne Vorwürfe.
- Medikamente prüfen lassen, nicht absetzen. Für viele Wirkstoffe gibt es gut untersuchte Alternativen in der Schwangerschaft, und ein eigenmächtiger Stopp kann mehr anrichten als der Wirkstoff selbst. Diese Entscheidung trifft deine Ärztin.
Und falls du vor dem positiven Test noch ein Glas Wein hattest: Das geht ganz vielen Frauen so, und es ist kein Grund, dich fertigzumachen. Sprich es beim ersten Termin an, dann bist du den Gedanken los.
Was gehört in den ersten Schwangerschaftswochen noch auf die Liste?
- Zahnarzttermin. Das Zahnfleisch wird durch die stärkere Durchblutung empfindlicher, deshalb wird eine Kontrolle in der Frühschwangerschaft empfohlen.
- Ernährung anschauen. Rohmilchprodukte, rohes Fleisch und roher Fisch fallen weg, Kaffee bleibt in Maßen erlaubt. Was du in den ersten Schwangerschaftswochen sonst noch vermeiden solltest, reicht von Leber bis Sauna.
- Versicherungen checken. Bei privater Versicherung lohnt der frühe Blick, wie dein Kind mitversichert wird.
- Geburtsvorbereitungskurs. Klingt früh, ist es nicht. Beliebte Kurse sind Monate im Voraus voll.
Wann informierst du deinen Arbeitgeber?
Rechtlich musst du das nicht sofort, du sollst es nur mitteilen, sobald du es weißt. Sobald du es sagst, greifen die Schutzregeln des Mutterschutzgesetzes für dich, etwa bei Nachtarbeit, schwerem Heben oder dem Kontakt mit Gefahrstoffen.
Viele Frauen warten bis nach dem ersten Trimester. Wenn dein Job körperlich fordernd ist oder du im Schichtdienst arbeitest, sprich früher. Deine Gesundheit steht vor dem perfekten Zeitpunkt für die Verkündung. Für den Arbeitgeber brauchst du eine Bescheinigung über den errechneten Geburtstermin, die du in der Praxis bekommst.
Wem erzählst du es wann?
Das entscheidest ganz allein du. Die verbreitete Regel, bis zur zwölften Woche zu schweigen, kommt daher, dass das Fehlgeburtsrisiko danach deutlich sinkt.
Der Gedanke dahinter ist gut gemeint und wird trotzdem oft zur Falle, weil du im Fall der Fälle mit allem allein dastehst. Such dir mindestens einen Menschen, dem du es früh erzählst. Ob das dein Partner, deine Schwester oder deine beste Freundin ist, spielt keine Rolle. Hauptsache, jemand weiß Bescheid.
Was kann getrost warten?
Ziemlich viel. Kinderzimmer, Kinderwagen, Namen, Elterngeldantrag, Klinikanmeldung. Alles hat später seinen Platz, und keine dieser Entscheidungen wird besser, wenn du sie in der sechsten Woche triffst.
Was jetzt zählt, sind Folsäure, ein Termin und eine Hebamme. Der Rest ist Vorfreude, und die darf sich Zeit lassen.
Dein nächster Schritt
Heute: Folsäure besorgen und den ersten Tag deiner letzten Periode aufschreiben. Morgen: in der Praxis anrufen und eine Hebamme kontaktieren. Und dann darfst du das Ganze erstmal sacken lassen.
Von Journella gibt es ein personalisiertes Schwangerschaftsjournal, in dem all das seinen Platz hat, von der ersten Notiz am Abend des Tests bis zu den Fragen für den nächsten Termin. Viele Frauen fangen genau an diesem Abend damit an.
Wir freuen uns mit dir. 🙂
Dieser Beitrag gibt persönliche Erfahrungen und allgemeine Informationen wieder und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Was für dich passt, entscheidest du zusammen mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin. Bei Beschwerden oder Zweifeln frag dort nach, auch wenn es sich nach einer Kleinigkeit anfühlt.


