Zwei Striche auf dem Test, und die erste Frage lautet fast immer: Wann zum Frauenarzt nach einem positiven Schwangerschaftstest? Die kurze Antwort: Ruf zeitnah an, aber lass dir den Termin in die sechste bis achte Schwangerschaftswoche legen.
Warum ist die 6. bis 8. SSW der richtige Zeitpunkt für den Termin?
Die Schwangerschaftswochen zählen ab dem ersten Tag deiner letzten Periode. An dem Tag, an dem die Blutung ausbleibt, bist du rechnerisch bereits in der fünften Woche. Bis zum idealen Termin sind es also nur noch ein bis drei Wochen.
Dieser Zeitraum hat einen praktischen Grund. Ab etwa sechs Wochen nach dem ersten Tag deiner letzten Periode lässt sich die Schwangerschaft im Ultraschall darstellen, und gegen Ende der sechsten Woche ist meist auch eine Herzaktion sichtbar. Kommst du früher, sieht deine Ärztin oft nur eine kleine schwarze Blase und bestellt dich wieder ein.
Frauenärzte im Netz, herausgegeben vom Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte gemeinsam mit der DGGG, formuliert es so: Spätestens sechs Wochen nach dem ersten Tag der letzten Menstruation lässt sich eine Schwangerschaft im Ultraschall feststellen.
Wann solltest du nach dem positiven Test früher anrufen?
Es gibt Situationen, in denen du den Anruf vorziehst und am Telefon sagst, worum es geht. Die Praxis entscheidet dann, wie schnell du kommen sollst.
- Du hattest bereits eine Eileiterschwangerschaft oder eine Fehlgeburt
- Du nimmst dauerhaft Medikamente, etwa gegen Epilepsie, Rheuma, Depression oder eine Schilddrüsenerkrankung
- Du hast Diabetes, Bluthochdruck oder eine chronische Erkrankung
- Die Schwangerschaft ist nach einer Kinderwunschbehandlung entstanden
- Du hast eine Spirale liegen
- Du hattest starke Blutungen oder Schmerzen
Bei Medikamenten gilt: Setz nichts eigenmächtig ab. Für viele Wirkstoffe gibt es in der Schwangerschaft gut untersuchte Alternativen, und ein abruptes Absetzen kann mehr Schaden anrichten als der Wirkstoff selbst. Diese Entscheidung trifft deine Ärztin, nicht der Beipackzettel.
Wann solltest du sofort in die Klinik fahren?
Bei ein bis zwei von hundert Schwangerschaften nistet sich die Eizelle außerhalb der Gebärmutter ein, meist im Eileiter. Die Beschwerden zeigen sich häufig zwischen der sechsten und neunten Woche. Ruf sofort deine Praxis an oder fahr in die nächste Klinik, wenn eines davon auftritt:
- Anhaltende Schmerzen im Unterbauch, meist einseitig
- Schmerzen in der Schulter, oft zusammen mit Schwindel
- Starke Blutung, besonders mit Schmerzen
- Kreislaufprobleme bis zur Ohnmacht
Diese Fälle sind selten. Wenn sie eintreten, zählt jede Stunde. Ausführlich beschrieben ist das Krankheitsbild bei Frauenärzte im Netz.
Was kannst du bis zum Termin selbst tun?
Zwischen positivem Test und erstem Termin liegen oft zwei bis drei Wochen. Drei Dinge haben sich bei mir bewährt.
Mit Folsäure anfangen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 400 µg täglich bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Wer erst mit dem positiven Test beginnt, nimmt nach Empfehlung des Netzwerks Gesund ins Leben besser ein Präparat mit 800 µg. Das Neuralrohr schließt sich in den ersten Wochen. Welche Dosis für dich passt, besprich bitte mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin, besonders bei Vorerkrankungen oder wenn du bereits andere Präparate nimmst.
Alkohol und Zigaretten weglassen. Für Alkohol gibt es in der Schwangerschaft keine Menge, die als unbedenklich gilt. Beim Rauchen hilft jede Zigarette weniger, ein kompletter Stopp hilft am meisten. Wenn dir das allein schwerfällt, sprich es beim Termin an, dafür gibt es Unterstützung.
Den ersten Tag deiner letzten Periode notieren. Das ist die erste Frage im Sprechzimmer und die Grundlage für deinen Geburtstermin. Schreib gleich deine Zykluslänge dazu.
Was tun, wenn du keinen Termin beim Frauenarzt bekommst?
In vielen Regionen sind die Praxen voll, und das trifft ausgerechnet Frauen in der Frühschwangerschaft. Was aus meiner Erfahrung hilft:
- Sag am Telefon deutlich, dass dein Schwangerschaftstest positiv ist. Viele Praxen halten für Erstvorstellungen eigene Termine frei.
- Frag nach der Warteliste für kurzfristig frei werdende Termine.
- Ruf mehrere Praxen an. Für die Schwangerenvorsorge brauchst du keine Überweisung und bist an keine Praxis gebunden.
- Über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung unter 116 117 bekommst du Unterstützung bei der Vermittlung.
- Suche parallel schon nach einer Hebamme. In vielen Gegenden sind Hebammen früher ausgebucht als gynäkologische Termine, oft schon in der achten Woche.
Brauchst du einen zweiten Schwangerschaftstest?
Nein. Ein positiver Schwangerschaftstest aus der Drogerie ist verlässlich, weil hCG ohne Schwangerschaft normalerweise nicht im Urin auftaucht. Ein zweiter Test bringt keine zusätzliche Sicherheit, und die Praxis wiederholt ihn ohnehin oder geht direkt zum Ultraschall über.
Umgekehrt gilt: Bleibt deine Periode aus und der Test ist negativ, wiederhol ihn nach drei Tagen mit dem ersten Morgenurin. Bis dahin hat sich der hCG-Wert im günstigen Fall zwei Mal verdoppelt, denn in der Frühschwangerschaft verdoppelt er sich etwa alle 48 bis 72 Stunden.
Wohin kannst du dich wenden, wenn du unsicher bist?
Auch bei gemischten Gefühlen ist der frühe Termin der richtige Weg, weil du für alle Entscheidungen Fristen und Fakten brauchst. Kostenlose und anonyme Beratung bekommst du beim Hilfetelefon „Schwangere in Not" unter 0800 40 40 020, rund um die Uhr erreichbar. Ein Rechtsanspruch auf ärztliche Beratung zu allen Fragen der Schwangerschaft steht dir nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz ohnehin zu.
Dein nächster Schritt
Ruf morgen in einer Praxis an und nenn die sechste bis achte Woche. Sprich Folsäure mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin ab. Schreib den ersten Tag deiner letzten Periode auf, solange du ihn sicher weißt.
Neben dem Termin stehen noch ein paar erste Schritte nach dem positiven Test an, und in den ersten Schwangerschaftswochen fällt einiges weg, von Alkohol bis Rohmilchkäse.
Beim ersten Frauenarzttermin in der Schwangerschaft erwarten dich Anamnese, Blutabnahme und Ultraschall. Was davon in der 5. und 6. SSW schon zu sehen ist, entscheidet oft, ob du mit einem Bild nach Hause gehst.
Wir wünschen dir eine ruhige Wartezeit bis dahin. 🙂
Dieser Beitrag gibt persönliche Erfahrungen und allgemeine Informationen wieder und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Was für dich passt, entscheidest du zusammen mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin. Bei Beschwerden oder Zweifeln frag dort nach, auch wenn es sich nach einer Kleinigkeit anfühlt.


