Wie viele Hebammen gibt es in Deutschland eigentlich, wie viele fehlen, und warum steigen so viele aus der Geburtshilfe aus? Dieser Beitrag sammelt die wichtigsten Zahlen und Hintergründe rund um den Hebammenberuf an einem Ort, aktuell und mit Quellen belegt.
Vorweg eine ehrliche Einordnung: Beim Thema Hebammen gibt es keine einzige saubere amtliche Gesamtzahl. Verschiedene Statistiken zählen unterschiedliche Gruppen, und viele Hebammen arbeiten gleichzeitig angestellt und freiberuflich. Wo Zahlen deshalb nur eine Größenordnung oder Schätzung sind, sagen wir das offen dazu.
Zu diesem Datenstand. Für diesen Beitrag haben wir alle Zahlen an den Primärquellen geprüft: Statistisches Bundesamt (Destatis), GKV-Spitzenverband, Deutscher Hebammenverband (DHV), IGES-Institut, Bundestags-Drucksachen und die jeweils genannten Fachquellen. Stand der Daten ist September 2026.
Ist dir ein Fehler oder eine veraltete Zahl aufgefallen? Schreib uns bitte kurz, wir prüfen das und korrigieren es gern. 🙂
Wie viele Hebammen gibt es in Deutschland?
Die Größenordnung liegt bei rund 26.000 bis 27.000 Hebammen insgesamt (Bezugsjahre 2019 bis 2021, Gesundheitspersonalrechnung, zitiert über Deutscher Hebammenverband und Statista). Eine tagesaktuelle amtliche Vollerhebung aller tätigen Hebammen gibt es nicht, deshalb ist diese Zahl eine belastbare Größenordnung, kein exakter Stichtagswert.
Klarer sind zwei Teilmengen. Die Zahl der fest angestellten Hebammen in Krankenhäusern ist über die Jahre gestiegen, und die Zahl der bei den Krankenkassen registrierten freiberuflichen Hebammen liegt stabil bei knapp 19.000.
| Kennzahl | Wert | Quelle / Jahr |
|---|---|---|
| Hebammen insgesamt (Größenordnung) | ~ 26.000–27.000 | GPR, 2019–2021 |
| Fest angestellt in Kliniken | 10.130 | Destatis, 2020 |
| Beleghebammen an Kliniken | 1.405 | Destatis, 2020 |
| In der Klinik-Geburtshilfe tätig | ~ 12.900 | Destatis, 2024 |
| Freiberuflich bei der GKV registriert | 18.816 | GKV, 2024 |
| Männliche Hebammen (Klinik) | 22 von 10.130 | Destatis, 2020 |
| Doulas (Schätzung) | ~ 300 | Doulas in Deutschland e.V. |
Angestellte und freiberufliche Hebammen lassen sich nicht einfach addieren, weil viele parallel in beiden Formen arbeiten (Hinweis des Barmer-Instituts bifg).
Wie viele Hebammen arbeiten angestellt, wie viele freiberuflich?
In der klinischen Geburtshilfe waren 2024 rund 12.900 Hebammen tätig, davon 88,9 % fest angestellt und 11,1 % als Beleghebammen (Destatis). Ein großer Teil arbeitet in Teilzeit: Der DHV nennt für Klinikhebammen eine Teilzeitquote von 75,4 %.
Bei den knapp 19.000 freiberuflich registrierten Hebammen ist eine Zahl besonders wichtig: Rund drei Viertel bieten gar keine Geburtshilfe mehr an, sondern nur noch Vor- und Nachsorge oder Wochenbettbetreuung (GKV-Spitzenverband). Nur etwa ein Viertel begleitet noch Geburten. Der DHV zählt unter seinen Mitgliedern nur 3.127, die freiberuflich in der Geburtshilfe arbeiten.
Wie viele Hebammen sind in Ausbildung oder im Studium?
Seit dem Hebammenreformgesetz ist der Beruf seit 2020 akademisiert: Aus der schulischen Ausbildung wurde ein duales Bachelorstudium, seit 2023 führt nur noch dieser Weg in den Beruf. Deutschland war das letzte EU-Land, das den Beruf an die Hochschule holte.
Im Oktober 2024 gab es dafür 55 Studiengänge an rund 44 Standorten (Hochschulkompass der HRK). Eine belastbare bundesweite Zahl der Studierenden gibt es noch nicht, denn Destatis führt Hebammenwissenschaft erst ab dem Wintersemester 2025/26 als eigenes Studienfach. Als regionaler Anhaltspunkt: In Sachsen waren 2024 an zehn Kliniken 131 junge Menschen in Ausbildung oder Studium (Statistisches Landesamt Sachsen).
Wie viele männliche Hebammen gibt es?
Sehr, sehr wenige. Von den 10.130 fest angestellten Klinikhebammen waren 2020 laut Destatis nur 22 männlich, also rund 0,2 %. In Sachsen arbeiteten 2024 weniger als fünf Männer in der Geburtshilfe. Eine amtliche bundesweite Gesamtzahl männlicher Hebammen wird nicht ausgewiesen, sie liegt aber klar im sehr niedrigen Bereich.
Die früher übliche Berufsbezeichnung „Entbindungspfleger" ist übrigens Geschichte: Seit 2020 heißt der Beruf für alle Geschlechter einheitlich Hebamme. Kursierende Angaben von „850 bis 900 männlichen Hebammen" sind nicht belegt und passen nicht zu den amtlichen Zahlen, deshalb nennen wir sie hier bewusst nicht als Fakt.
Wie viele Doulas gibt es in Deutschland?
Eine Doula ist eine nicht-medizinische Geburtsbegleiterin, die emotional und praktisch unterstützt, aber keine Hebammenaufgaben übernimmt. Der Verband Doulas in Deutschland e.V. schätzt ihre Zahl auf rund 300. Das ist eine Schätzung, keine amtliche Statistik, denn „Doula" ist kein geschützter Beruf und wird nirgends zentral erfasst.
Wie viele Hebammen fehlen in Deutschland?
Auch hier gilt: Eine amtliche „So-viele-tausend-fehlen"-Zahl gibt es nicht, die kursierenden Werte sind Bedarfsrechnungen und Umfragen. Der DHV rechnet für eine durchgehende Eins-zu-eins-Betreuung mit einem Bedarf von 11.500 bis 12.000 Vollzeitstellen. Bemerkenswert: Der Verband hält diesen Bedarf mit den vorhandenen Fachkräften grundsätzlich für deckbar, das Problem sei weniger die Zahl der Köpfe als der Verbleib im Beruf.
Sichtbar wird die Lücke an zwei Stellen. In den Kliniken kann fast die Hälfte der Häuser, die noch entbinden, offene Hebammenstellen nicht besetzen (Bundesregierung, Drucksache 20/3750). Und bei der Nachsorge berichten viele Frauen von Problemen: In einer Umfrage aus dem Jahr 2023 hatten 40,9 % keine Hebamme im Wochenbett und 15,1 % weder Vor- noch Nachsorge. Diese Umfrage war allerdings eine nicht-repräsentative Online-Befragung, taugt also als Hinweis, nicht als amtlicher Beleg.
Wie viele Geburtsstationen wurden in Deutschland geschlossen?
Der wohl deutlichste Beleg für den Wandel: Die Zahl der Krankenhäuser mit Geburtshilfe hat sich seit 1991 fast halbiert.
| Jahr | Kliniken mit Entbindungen |
|---|---|
| 1991 | 1.186 |
| 2007 | 865 |
| 2010 | 807 |
| 2015 | 709 |
| 2017 | 672 |
| 2020 | 622 |
| 2022 | ~ 606 |
Quellen: Destatis (Grunddaten der Krankenhäuser) über Bundestags-Drucksache 20/3750, Deutsches Ärzteblatt und DHV. Für Ende 2024 nennt der Verein Mother Hood rund 580 Standorte. Das ist ein Minus von rund 45 bis 51 % seit 1991.
Für werdende Eltern heißt das oft längere Anfahrtswege. Als Maßstab gilt die 40-Minuten-Regel des Gemeinsamen Bundesausschusses für die Erreichbarkeit des nächsten Kreißsaals. Wie sich die Geburtenzahlen insgesamt entwickeln, liest du in unserer Übersicht der wichtigsten Statistiken zu Schwangerschaft und Geburt.
Warum gibt es so wenige Hebammen?
Dahinter steckt kein einzelner Grund, sondern ein Bündel struktureller Ursachen, das sich über Jahre aufgebaut hat.
- Berufshaftpflicht. Die Prämie für freiberufliche Hebammen mit Geburtshilfe stieg von 1.587 Euro im Jahr 2007 auf 6.843 Euro im Jahr 2016, ein Plus von rund 331 % (Bundesregierung auf Anfrage). Viele zogen sich deshalb aus der Geburtshilfe zurück.
- Betreuungsschlüssel. Statt der fachlich sichersten Eins-zu-eins-Betreuung versorgt eine Klinikhebamme im Normalbetrieb im Schnitt drei Gebärende gleichzeitig, an einem Viertel der Schichten sogar mehr (IGES-Gutachten).
- Vergütung und Belastung. Schichtdienst, Zeitdruck und eine als unangemessen empfundene Bezahlung gelten als zentrale Belastungsfaktoren.
- Späte Akademisierung. Erst 2020 wurde die Ausbildung reformiert, jahrzehntelang waren die Kapazitäten knapp.
- Ökonomisierung der Kliniken. Unter dem Fallpauschalensystem ist die personalintensive Geburtshilfe für viele Häuser wirtschaftlich unattraktiv, ein Treiber für Stationsschließungen.
Immerhin gibt es bei der Haftpflicht Entspannung: Ein Sicherstellungszuschlag federt die Prämien seit 2015 teilweise ab, der Versicherungsschutz ist bis 2027 gesichert, und ab Juli 2027 sinkt die Prämie erstmals leicht.
Wie ist die aktuelle Situation der Hebammen in Deutschland?
Die Lage ist angespannt, aber nicht ohne Lichtblicke. Auf der einen Seite steht die Versorgungslücke: schwierige Hebammensuche im Wochenbett, weniger Geburtskliniken und damit weitere Wege, dazu eine hohe Belastung des Personals. Laut IGES erwägt mehr als ein Viertel der Klinikhebammen einen vollständigen Berufsausstieg, und die Teilzeitquote ist hoch.
Auf der anderen Seite bewegt sich etwas. Die Akademisierung hat den Beruf aufgewertet und die Ausbildungsplätze ausgebaut, die Beschäftigung in der Klinik-Geburtshilfe ist zuletzt leicht gestiegen, und die Haftpflichtfrage ist vorerst gelöst. An einzelnen Häusern entstehen hebammengeleitete Kreißsäle mit echter Eins-zu-eins-Betreuung. Das sind bisher Inseln, aber sie zeigen, wohin es gehen könnte.
Warum kündigen gerade so viele Hebammen?
Der wichtigste Befund kommt vom DHV selbst: Hebammen bleiben im Schnitt nur vier bis sieben Jahre in der klinischen Geburtshilfe, bevor sie reduzieren, wechseln oder aussteigen. Es ist also weniger ein Nachwuchs- als ein Verbleibproblem.
Die Gründe decken sich mit den strukturellen Ursachen oben. Eine Studie zu freiberuflichen Hebammen in Bayern fand bei 73 % eine berufliche Gratifikationskrise, also ein starkes Missverhältnis von Einsatz und Anerkennung, besonders bei Beleghebammen im Schichtdienst. Diese Studie war klein und regional begrenzt, illustriert aber die Mechanik gut. Dazu kommt der oft beschriebene moralische Stress, keine gute Betreuung leisten zu können, wenn eine Hebamme mehrere Gebärende zugleich begleiten muss.
Der DHV betont die Kehrseite dieser Zahl: Viele Ausgestiegene würden zurückkehren, wenn die Bedingungen stimmen. Das Potenzial ist also da, es hängt an Arbeitszeit, Bezahlung und Betreuungsschlüssel.
Was diese Zahlen für werdende Eltern bedeuten
Ganz praktisch: Kümmere dich früh um deine Hebamme, am besten schon im ersten Trimester, denn gerade bei der Nachsorge sind die Plätze knapp. Und wenn du eine gefunden hast, ist das Gold wert.
Die Zeit mit deiner Hebamme und die vielen kleinen Momente drumherum lassen sich schön festhalten. Von Journella gibt es dafür ein personalisiertes Schwangerschaftsjournal, in dem auch Platz für die Menschen ist, die dich begleiten.
Quellenverzeichnis
- GKV-Spitzenverband, „Zahlen, Daten, Fakten zu freiberuflichen Hebammen" (Oktober 2025): gkv-spitzenverband.de
- Deutscher Hebammenverband, „Zahlen, Daten & Fakten zur Geburtshilfe" (Parlamentarischer Abend 2024): hebammenverband.de
- Deutscher Hebammenverband, „Zahlenspiegel zur Situation der Hebammen" (April 2022): PDF
- Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung, Drucksache 20/3750 (2022): dserver.bundestag.de
- Statistisches Bundesamt (Destatis), Geburtshilfe und Kaiserschnittrate 2024: destatis.de
- IGES-Institut, Gutachten zur stationären Hebammenversorgung (2020): iges.com
- Deutsches Ärzteblatt, Rückgang der Geburtsstationen: aerzteblatt.de
- Mother Hood e.V., Geburtsstationen in Deutschland: mother-hood.de
- Berufshaftpflicht, Prämienentwicklung (Bundesregierung auf Anfrage): Nachweis
- GMS Zeitschrift für Hebammenwissenschaft, Bayern-Studie zu Gratifikationskrisen (2019): egms.de
- Statistisches Landesamt Sachsen, Hebammen 2024: statistik.sachsen.de
- Doulas in Deutschland e.V.: doulas-in-deutschland.de
Dieser Beitrag fasst öffentlich verfügbare Statistiken und Studien zusammen und ersetzt keine individuelle Beratung. Fragen zu deiner eigenen Betreuung besprichst du am besten direkt mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin.


