Bei welchem Geschlecht ist einem in der Schwangerschaft mehr übel, bei einem Mädchen oder einem Jungen? An dem Mythos ist ein kleiner wahrer Kern: Sehr starke Übelkeit tritt in Studien etwas häufiger bei Mädchen auf. Als Vorzeichen taugt das aber nicht, denn normale Morgenübelkeit sagt nichts über das Geschlecht. Wir erklären die Studienlage und die Hormone dahinter.
Ist einem bei einem Mädchen wirklich öfter übel als bei einem Jungen?
Ganz so einfach ist es nicht. Der Zusammenhang gilt nur für die sehr starke, krankhafte Form der Übelkeit, die Hyperemesis gravidarum, und auch dort nur als statistische Häufung über viele Schwangerschaften hinweg. Für die normale Morgenübelkeit, die die meisten kennen, lässt sich kein verlässlicher Zusammenhang mit dem Geschlecht zeigen.
Anders gesagt: Wenn dir morgens flau ist, kannst du daraus nichts über Junge oder Mädchen ableiten. Die Häufung betrifft Extremfälle und sagt im Einzelfall nichts aus. Sicherheit gibt dir erst der Ultraschall, meist ab etwa der 14. bis 16. Woche.
Was sagt die Studienlage zu Hyperemesis gravidarum und dem Geschlecht des Kindes?
Eine oft zitierte schwedische Untersuchung (Askling et al., Lancet 1999) fand, dass Frauen, die wegen schwerer Schwangerschaftsübelkeit stationär behandelt wurden, überdurchschnittlich oft Mädchen bekamen. Eine spätere Meta-Analyse (Veenendaal et al., BJOG 2011) über 24 Studien bestätigte das: Bei Hyperemesis war die Wahrscheinlichkeit für ein Mädchen rund 27 Prozent höher.
Das klingt deutlich, meint aber eine Tendenz über große Gruppen, nicht dein persönliches Ergebnis. Auch bei starker Übelkeit werden viele Jungen geboren. Diese Zahlen sind also spannend, aber kein Test fürs Kinderzimmer.
Warum ist normale Morgenübelkeit kein verlässliches Vorzeichen für Junge oder Mädchen?
Morgenübelkeit ist extrem verbreitet und in ihrer Stärke individuell völlig unterschiedlich. Manche Frauen haben bei einem Jungen starke Übelkeit, andere bei einem Mädchen gar keine. Diese große Streuung macht die Übelkeit als Vorhersage wertlos.
Der statistische Mädchen-Überhang gilt nur für die seltene, schwere Hyperemesis, nicht für das normale Unwohlsein. Deshalb ist der Satz, bei Übelkeit werde es ein Mädchen, ein hübscher Mythos, aber keine Regel, auf die du dich verlassen kannst.
Welche Rolle spielen die Hormone hCG und GDF15 bei der Übelkeit?
Lange galt vor allem das Schwangerschaftshormon hCG als Auslöser, dessen rascher Anstieg zeitlich gut zur Übelkeit passt. Dieser Faktor wird weiter mitdiskutiert, erklärt die Übelkeit allein aber nicht.
Neuere Forschung rückt das Hormon GDF15 in den Mittelpunkt. Laut einer Studie in Nature (Fejzo et al., 2023) hängt die Stärke der Übelkeit davon ab, wie viel GDF15 das Baby über die Plazenta bildet und wie empfindlich die Mutter darauf reagiert. Das erklärt, warum manche kaum und andere extrem leiden, unabhängig vom Geschlecht.
Wann wird aus normaler Übelkeit eine behandlungsbedürftige Hyperemesis gravidarum?
Von einer Hyperemesis spricht man, wenn das Erbrechen mehrmals täglich auftritt, du deutlich an Gewicht verlierst, kaum noch Flüssigkeit bei dir behältst oder Zeichen von Austrocknung zeigst. Das betrifft etwa eine von hundert Schwangeren und beginnt oft um die 5. Woche mit einem Höhepunkt um die 9. Woche.
Diese Form gehört ärztlich behandelt, unter anderem mit Flüssigkeit, Elektrolyten und gegebenenfalls Medikamenten. Du musst das nicht aushalten, und es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine echte Erkrankung, für die es Hilfe gibt.
Wie lässt sich starke Schwangerschaftsübelkeit lindern, egal welches Geschlecht?
Bewährt haben sich viele kleine Mahlzeiten, eine trockene Kleinigkeit schon vor dem Aufstehen, Ingwer in kleinen Mengen, ausreichend trinken und geruchsarme, kühle Speisen. Was mir geholfen hat, war, nie mit ganz leerem Magen in den Tag zu starten.
Normalerweise bessert sich die Übelkeit bis zur 16. bis 18. Woche deutlich. Hält sie an oder ist sie sehr stark, sprich mit deiner Hebamme oder Frauenärztin. Mehr dazu, wie du durch die Appetitflaute kommst, liest du im Beitrag zur Appetitlosigkeit am Anfang der Schwangerschaft.
Häufige Fragen zu Übelkeit und dem Geschlecht des Babys
Ist einem bei einem Mädchen wirklich öfter übel?
In Studien zu sehr starker Übelkeit (Hyperemesis) überwiegen leicht die Mädchen. Für die normale Morgenübelkeit ist der Zusammenhang so schwach, dass er im Einzelfall nichts aussagt.
Kann man am Ausmaß der Übelkeit das Geschlecht erkennen?
Nein. Die Häufung gilt nur statistisch über viele Schwangerschaften. Sichere Auskunft gibt erst der Ultraschall ab etwa der 14. bis 16. Woche.
Warum wird mir in der Schwangerschaft so übel?
Verantwortlich ist vor allem der hormonelle Umbau, insbesondere das von der Plazenta gebildete GDF15 sowie hCG. Wie empfindlich man darauf reagiert, ist individuell sehr unterschiedlich.
Ab wann ist Schwangerschaftsübelkeit gefährlich?
Wenn Erbrechen mehrfach täglich auftritt, Gewicht verloren geht oder Flüssigkeit nicht bei dir bleibt, solltest du es ärztlich abklären lassen, dann besteht der Verdacht auf eine Hyperemesis gravidarum.
Wann hört die Übelkeit normalerweise auf?
Meist lässt sie bis zur 16. bis 18. Schwangerschaftswoche deutlich nach.
Dieser Beitrag gibt persönliche Erfahrungen und allgemeine Informationen wieder und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Wir sind keine Ärztinnen oder Ärzte. Was für dich passt, entscheidest du zusammen mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin. Bei Beschwerden oder Zweifeln frag dort nach, auch wenn es sich nach einer Kleinigkeit anfühlt.


