Vor dem ersten Frauenarzttermin in der Schwangerschaft suchen viele Frauen nach Erfahrungen anderer, weil sie wissen möchten, wie sich das anfühlt. Wir haben zusammengetragen, was in Foren und Gesprächen immer wieder beschrieben wird, und ordnen ein, was davon typisch ist.
Eine Sache vorweg: Jede Praxis arbeitet etwas anders, und jede Frau erlebt diesen Termin anders. Die folgenden Punkte sind Muster, keine Vorhersage.
Warum wirkt der erste Frauenarzttermin sachlicher als erwartet?
Das ist die Rückmeldung, die am häufigsten kommt. Im Kopf läuft ein Film mit Herzschlag und Tränen, in der Realität sitzt du vierzig Minuten in einem Gespräch über Vorerkrankungen deiner Großeltern, gibst eine Urinprobe ab und bekommst Blut abgenommen.
Der Grund liegt im Ablauf. Beim Ersttermin steht die Anamnese im Vordergrund, weil sie die Grundlage für die gesamte weitere Betreuung bildet. Die Mutterschaftsrichtlinien geben vor, dass Familien-, Eigen-, Schwangerschafts- sowie Arbeits- und Sozialanamnese erhoben werden. Das braucht Zeit, und diese Zeit fehlt dann beim Rest.
Wenn dir der emotionale Teil wichtig ist, sag das. Ein Satz wie „Ich würde den Herzschlag gern hören" reicht völlig aus, und die meisten Praxen gehen darauf ein.
Warum geht der erste Ultraschall so schnell vorbei?
Der Ultraschall in der Frühschwangerschaft dauert selten länger als fünf Minuten. Was du auf dem Monitor siehst, ist eine schwarze Blase mit einem hellen Punkt darin, und ohne Erklärung erkennst du daran wenig.
Viele Frauen ärgern sich hinterher, nicht nachgefragt zu haben. Mir ging es genauso. Zwei Fragen helfen im Moment selbst: „Können Sie mir zeigen, was was ist?" und „Bekomme ich ein Bild mit?" Viele Praxen drucken nur auf Nachfrage aus.
Warum überrascht der vaginale Ultraschall so viele Frauen?
Damit rechnen viele nicht, vor allem beim ersten Kind. In der Frühschwangerschaft liegt die Gebärmutter tief im Becken, und ein Bauchultraschall würde kaum etwas zeigen. Deshalb läuft die Untersuchung über die Scheide.
Frauen beschreiben sie übereinstimmend als unangenehm, aber nicht schmerzhaft, vergleichbar mit einer normalen Vorsorge. Der Schallkopf ist schmal. Mit leerer Blase war es bei mir deutlich angenehmer.
Was heißt es, wenn beim ersten Frauenarzttermin nichts zu sehen ist?
Das erleben mehr Frauen, als man denkt, und es ist der schwerste Teil dieser frühen Phase. Fast immer liegt es am Zeitpunkt: Bei einem späteren Eisprung verschiebt sich die Entwicklung um Tage, und in der fünften Woche ist oft nur die Fruchthöhle zu sehen. Der Embryo und die Herzaktion zeigen sich meist erst gegen Ende der sechsten Woche.
Die Praxis bestellt dich dann in ein bis zwei Wochen wieder ein, manchmal ergänzt durch hCG-Kontrollen im Blut im Abstand von 48 Stunden. Frauen nennen diese Wartezeit oft die schlimmste der ganzen Schwangerschaft.
Was in dieser Zeit hilft, ist wenig überraschend und trotzdem schwer: nicht nach Statistiken suchen, mit einem Menschen sprechen statt mit einem Forum, den Kontrolltermin abwarten. Wenn dich die Angst nicht loslässt, ruf deine Hebamme an, dafür ist sie da. Ein einzelner Befund ohne sichtbaren Embryo sagt für sich genommen nichts über den Ausgang aus.
Wie viel Blut wird beim ersten Frauenarzttermin abgenommen?
Beim Ersttermin kommt einiges zusammen: Blutgruppe, Rhesusfaktor, Antikörpersuchtest, Hämoglobinwert, LSR-Test auf Syphilis, bei unklarem Impfschutz die Röteln-Antikörper und auf Wunsch ein HIV-Test.
In Kombination mit Übelkeit und leerem Magen wird einigen Frauen dabei schwindelig. Nimm etwas zu essen mit und iss vorher normal, denn nüchtern musst du für diese Werte nicht sein.
Warum bleiben am Ende so oft Fragen offen?
Der Übergang vom Sprechzimmer zur Anmeldung passiert oft abrupt, und die Hälfte der Fragen bleibt ungestellt. Deshalb der Rat, der in fast jedem Erfahrungsbericht auftaucht: Schreib deine Fragen vorher auf und leg den Zettel sichtbar auf den Tisch, sobald du sitzt.
Drei Dinge solltest du klären, bevor du gehst:
- Bei welchen Anzeichen rufst du sofort an?
- Wann ist der nächste Termin?
- Bekommst du eine Bescheinigung über den errechneten Geburtstermin für deinen Arbeitgeber?
Wie sprichst du Angst und Sorgen beim Termin an?
Besonders nach einer früheren Fehlgeburt gehen Frauen mit großer Anspannung in diesen Termin und trauen sich nicht, das anzusprechen. Sag es trotzdem, am besten gleich zu Beginn. Viele Praxen bieten dann engmaschigere Kontrollen an oder nehmen sich mehr Zeit für die Erklärung am Monitor.
Auch gemischte Gefühle gehören ins Gespräch. Wenn du unsicher bist, ob du die Schwangerschaft austragen möchtest, hast du nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz einen Rechtsanspruch auf ärztliche Beratung. Zusätzlich erreichst du das Hilfetelefon „Schwangere in Not" unter 0800 40 40 020 rund um die Uhr, kostenlos und auf Wunsch anonym.
Darfst du die Praxis wechseln?
Ja, und es kommt häufiger vor, als man denkt. Für die Schwangerenvorsorge brauchst du keine Überweisung und bist an keine Praxis gebunden. Wenn du dich nicht ernst genommen fühlst, darfst du wechseln, ohne dich zu rechtfertigen.
Du wirst diese Praxis über zehn bis zwölf Termine hinweg sehen, bis zur 32. Woche alle vier Wochen und danach alle zwei. Bei dieser Frequenz zählt, wie du dich dort fühlst.
Was empfehlen Frauen im Rückblick am häufigsten?
- Zeitpuffer einplanen, mindestens zwei Stunden inklusive Wartezeit
- Fragen aufschreiben und den Zettel offen hinlegen
- Nach dem Ultraschallbild fragen, statt darauf zu hoffen
- Etwas zu essen einstecken
- Den Nachmittag freihalten, statt direkt zurück ins Büro zu hetzen
- Direkt danach aufschreiben, was gesagt wurde, solange es frisch ist
Der letzte Punkt kommt am häufigsten, und er ist auch der, den ich selbst am meisten unterschätzt habe. Im Rückblick verschwimmen die Termine, und Frauen bedauern später, die erste Zeit kaum festgehalten zu haben. Von Journella gibt es dafür ein personalisiertes Schwangerschaftsjournal mit einer Seite pro Vorsorgetermin, inklusive Platz für das erste Ultraschallbild und für die Fragen, die beim nächsten Mal drankommen.
Dein nächster Schritt
Wenn dein Termin ansteht: Schreib heute Abend fünf Fragen auf und pack die Bescheinigung für den Arbeitgeber auf deine Liste. Der Ablauf des ersten Frauenarzttermins hält dann keine Überraschungen mehr bereit, und was in die Tasche gehört, ist schnell zusammengesucht.
Wir wünschen dir einen Termin, aus dem du gut rausgehst. 🙂
Dieser Beitrag gibt persönliche Erfahrungen und allgemeine Informationen wieder und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Was für dich passt, entscheidest du zusammen mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin. Bei Beschwerden oder Zweifeln frag dort nach, auch wenn es sich nach einer Kleinigkeit anfühlt.


